Dat Kantdenkmoal von Heinrich Toball

Noah Königsberg fohr uck emoal
von England so e Lord,
wie se dort sönd ön groter Toahl,
lang, dönn, de Böxe kort.
He war gelehrt böt önnem Teh,
Verehrer von dem Kant,
sien Denkmoal wull besehne he,
keem deshalw ön dit Land.

De Lord nehm sick e Dönstmann an,
dat de äm zeigt de Stätt,
wo man dem weltberühmte Mann
e Denkmoal häwt gesätt.
Dat Denkmoal noch ön jänner Tiet
am Danz’ger Keller stund,
weil man nich Platz fund breet ön wiet,
so wär Kant öngespund.

De Dönstmann kratzd sick undre Mötz,
de Sache wär to domm,
doch weil he hadd däg Mutterwötz,
blew he nich lange stomm.
Dem Lord noah Königsgorde fährd
de Dönstmann korter Hand,
zeigd hier dem König oppem Perd
als dem Professer Kant

.

De Lord putzd blank sien Opernglas,
seech sick dat Denkmoal an,
ging rund herom, säd denn öm Boß:
„Yes, ein berühmter Mann.“
Pflichtschuldigst säd de Dönsmann: „Jöß,
Herr Lord, Se häbbe recht,
e hochberühmter Mann dat ös
häwt jeder noch gesäggt.“

De Lord säggt drop: „Eins nicht gefällt
mir hier in diesem Staat.
Weshalb hat Kant man dargestellt
zu Pferde als Soldat?“
De Dönstmann, oller Grenadier,
gelasse darop meent:
„Kant doamals häwt bi de Krüssier
als Eenjähr’ger gedeent!“

Aus: „Lorbasse und andere Leutchen“
herausgegeben 1995 vom Verlag Gerhard Rautenberg, Leer