Der ostpreußische Erlkönig von Robert Johannes

 

Bauer Grigull reitet mit Gustav, dem Sohn,
seit anderthalb Stunden durch’s Pregeltal schon.
Er war beim Dokter, das Jung’che is krank,
weil es unreifes Obst gegessen und Wasser drauf trank.
Stockfinster. – Nich Hand vor Augen zu sehn,
dem Jung wurd gruslig, das kann man verstehn!
Im Fieber bälkt er, was er bloß kann:
„Papa, Papa, da kommt der Erlkönig an!“
„Sei man stillche, Gustav, das kommt dir so vor,
das is man bloß Nebel vom Dimpel im Moor!“ –
„Aber nei doch, ich seh auch und heer ganz genau,
das ist der leibhaft’ge Buscherbaubau!“
„Ich weiß nich, Gustav, was heite du hast,
da ruschelt im Wind e schimmlijer Ast!“ –
„Nei, nei, das is doch e Mann,
sein Bart is so gries wie beim Onkel Johann.
Und hinter ihm peesen die Elfchens doch nach,
schicher se weg, brasch doll und mach Krach!
Die eine Marjell, die schwarzhaarje Zodder,
sie winkt mir nu zu mit’m weißseidenen Kodder
Aller sind nackigt, mit’m grienlacht’jen Schleier,
die eine Krät ähnt nach der Erna vom Stellmacher Meyer!“
„Gluder nich hin, sonst wirst auf der Stelle hier blind,
nuscht nich fier dich, du bist noch e Kind!“ –
„Nu heer bloß, nu fangen zu singen se an:
Du Kleiner, komm doch auf Tuchfühlung mal ran!
Wir leben im Schlosse, bei uns kannst du bleiben,
Du brauchst nich lernen, rechnen und schreiben.
Wir spielen Greifche, auch manchmal Versteck,
Dich ärgert kein Lehrer, schmeiß die Schulbiecher weg!“
„Papa, Papa, was sagst du dazu?
Die Biester lassen mich nich mehr in Ruh!“
Der Alte wird pirzlich, er reitet Galopp,
betuddert dem Gustav und puscht ihm den Kopp.
Der Wallach schnurgelt, hebt den Zagel gen Himmel,
der Schaum macht den Rappen allmählich zum Schimmel.
Grigull erreicht seinen Hof, – es is noch ganz duster -,
springt ab, holt Luft und dann pust er, –
er grabscht vergeblich nach dem Sattel am Pferde,
kniet nieder und begrabscht auch die Erde.
Krault sich am Kopp und hinter den Ohren,
„Herrjemensch, nu hab‘ ich dem Gustav verloren!“